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Anmeldedatum: 20.01.2010 Beiträge: 510
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Verfasst am: 11.07.2011, 14:56 Titel: Swans |
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Beschreibung:
Nach einer riskanten Chemotherapie liegt Petra im Wachkoma. Ihr Exmann Tarso reist aus Lissabon nach Berlin, um sie auf der Intensivstation zu besuchen und auf ein Wunder zu hoffen. Mit dabei ist sein halbwüchsiger Sohn Manuel, der seine Mutter zuletzt mit drei Jahren sah. Ihn lässt ihr Schicksal nur vorgeblich ungerührt. Während der langen Zeit des Wartens erkundet er die Berliner Skater-Szene und findet über Petras Mitbewohnerin Kim, die ein Hermaphrodit ist, einen bizarren Weg, sich seiner Erzeugerin anzunähern.
Minimalistisches Arthaus-Drama um Pubertät und Tod, bei dem Berlin als trostloser Nicht-Ort für eine bedrückende Atmosphäre sorgt.
Man kann trefflich darüber diskutieren, ob man Hugo Vieira da Silvas Forum-Beitrag für die Berlinale 2011 als Drama oder lieber Anti-Drama betrachten sollte. Denn das minimalistische Werk handelt von einem Vater-Sohn-Gespann, das völlig unfähig ist, einander menschlich zu begegnen und miteinander zu kommunizieren. Dadurch gerät diese in Stil und Inhalt als glattes Gegenteil eines Heimatfilms durchgehende Bestandsaufnahme von betäubten Menschen auf der Suche nach ihrer verlorenen Mitte zu einem trostlosen Schweige-Traktat.
Es ist vornehmlich ein zwei-, mitunter auch drei-Personen-Stück, das in bedrückender, kammerspielartiger Atmosphäre in einem winterkalten Berlin spielt. Diffuse, widersprüchliche Gefühle rumoren in dem äußerlich ruhigen Vater Tarso seiner komatösen Ex-Frau Petra gegenüber, Hilflosigkeit dominiert sein Verhältnis zum heranwachsenden Sohn Manuel, der sich rigoros abschottet. Das Schicksal seiner gespenstisch aussehenden Mutter lässt diesen nur vorgeblich kalt und er versucht auf ganz eigene, ziemlich bedenkliche Art, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Eine Impulsgeberin ist dabei Petras Lebensgefährtin Kim, die wie ein Phantom auftaucht und sich als Hermaphrodit erweist.
Das Epos über den Stillstand des gebürtigen Portugiesen da Silva handelt auch von gefrorenen Gefühlen, die sich ihren Weg aus der Unterdrückung bahnen und in einer irritierenden Kombination aus Coming-of-Age, sexuellem Erwachen der pathologischen Art und (über solche Umwege erfolgenden) emotionalen Annäherung. Doch die pubertäre Entfremdung überwiegt und leistet unvermuteten pornografischen Szenen Vorschub, bei denen der jugendliche Hauptakteur von einem Profi gedoubelt wird. Ob das von der Berliner Schule beeinflusste Zeitlupenporträt nun nichtssagendes Kunstgewerbe ist oder nur ausgefallen und schwer zugänglich, muss ein verständnisvolles Publikum entscheiden. tk.
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