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Anmeldedatum: 20.01.2010 Beiträge: 510
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Verfasst am: 21.09.2010, 16:42 Titel: Fish Tank |
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Beschreibung:
Mit der aufrüttelnden Geschichte einer 15-Jährigen, die der häuslichen Tristesse im provinziellen Essex entkommen will, beweist Andrea Arnold erneut ihr Händchen für emotionale Realdramen.
Wie für ihr beeindruckendes Regiedebüt "Red Road" 2006 gewann sie auch in diesem Jahr in Cannes den Jurypreis, wohl nicht zuletzt durch die überragende Performance der Newcomerin Katie Jarvis, die zufällig am Bahnhof des Drehorts entdeckt wurde und die Handlung kraftvoll trägt. Rau und roh bewegt sie sich im Nirwana zwischen Jugend und Erwachsensein, verleiht dem Drama verstörende Authentizität, spielt sich selbst in der Rolle eines sich nach Liebe sehnenden Teenagers, der allerdings jede Annäherung hart zurückweist und zerschlagenes Gefühlsporzellan hinter sich lässt und mit dem Rest der Welt permanent auf Kriegsfuß steht.
Mia ist ein Mädchen, das aggressiv und gewalttätig auf alle(s) reagiert, sich mit Gleichaltrigen anlegt, ständig Streit mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester sucht, mit dem Kopf gegen die Wand rennt. Sie will raus aus den grauen und lauten Wohnwaben ohne Intimität, ein Hip-Hop-Wettbewerb eröffnet ihr die große Chance - glaubt sie wenigstens. Connor (verführerisch: Michael Fassbender), der neue Liebhaber der polygamen Mutter, kümmert sich rührend um die beiden Töchter, organisiert gemeinsame Ausflüge, bestärkt Mia bei ihren Tanzversuchen und sorgt für Selbstbewusstsein, bietet eine starke Schulter. Nächtlicher Sex auf dem Wohnzimmer-Sofa während Muttern ihren Rausch ausschläft, bringt das fragile Familiengefüge vollends in Gefahr und das trotz aller Coolness in Liebesdingen unerfahrene Mädchen in eine zusätzliche Krise.
Britisches Proletarierelend ist hier kein Grund zu larmoyanter Sozialkritik und mitleidsvollem Blick auf ein dem Mittelschichtspublikum fremdes Universum, sondern Eintauchen in einen Strudel unkontrollierter Gefühle. In bester Ken-Loach- und Mike-Leigh-Tradition erzählt Arnold von sogenannten kleinen Leuten und ihren kleinen Kämpfen um das kleine Glück, vom alltäglichen zähen Ringen um Selbstachtung und Selbstbehauptung. Am Ende lässt sie einen Hauch von Hoffnung - auf ein Stück Identität, ein bisschen Leben und Lieben. Mehr als nur für den Moment. mk. |
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