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Anmeldedatum: 20.01.2010 Beiträge: 510
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Verfasst am: 04.07.2010, 22:13 Titel: Please Give |
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Beschreibung:
Die New Yorker Kate und Alex betreiben einen florierenden Handel mit gebrauchten Möbeln und legen ihr Geld in Immobilien an. Neben ihnen wohnt in einer ihrer Wohnungen die 91-jährige Andra, deren Ableben Voraussetzung dafür ist, dass das Paar den Wohnraum für sich und seine Tochter erweitern kann. Bald schon bekommen die beiden Skrupel: Um das angespannte Verhältnis zu Andra zu verbessern, laden sie die alte Dame und deren zwei erwachsene Enkelinnen zu sich zum Abendessen ein - mit unvorhergesehenen Folgen.
Warmherzige New York-Komödie über Stadtneurotiker und ihre Lebenskrisen, das schlechte Gewissen reich zu sein, während andere darben.
Woody Allen hat es vorexerziert, wie die Bourgeoisie in Big Apple ihre Kümmernisse pflegt und darüber mit Inbrunst und ohne Lösungen diskutiert. In seine Fußstapfen tritt Nicole Holofcener mit ihrem leicht ironischen, aber dennoch liebevollen Blick auf eine Familie, der es eigentlich gut geht. Natürlich gibt es Konfliktsituationen, eheliche Untreue, Teenager-Frust und ein diffuses Schuldgefühl, privilegiert zu sein, wenn vor der Haustür Armut und Obdachlosigkeit grassieren. So drückt Kate einem der homeless people auch schon mal 20 Dollar in die Hand, während sie ihrer pubertierenden Tochter die 200-Dollar-Jeans strikt verweigert. Mit ihrem Mann betreibt sie einen edlen Trödelladen, ersteht billig Möbel aus Wohnungsauflösungen Verstorbener, um sie mit fettem Gewinn zu verscherbeln. Aus schlechtem Gewissen gibt sie gerne, informiert sich im Internet über schreckliche Schicksale wie Kinder mit Hasenscharten oder bringt einem irritierten Erben eine wertvolle Vase zurück, der das Teil verständnislos im Müll entsorgt. Kate und ihr Mann Oliver sind Gutmenschen, die zwar das Nebenappartement zur Vergrößerung des eigenen kaufen wollen, der eigensinnigen Nachbarin aber nicht den Tod an den Hals, sondern zum 91. Geburtstag noch ein langes Leben wünschen. Bei allem Grübeln über die Ungerechtigkeit der Welt entgeht es Kate, dass der Gatte fremdgeht, das Töchterchen unter Akne und Gefühlswirren leidet und sie selbst sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernt.
Sehr "europäisch" ist dieses New York-Movie inszeniert, mit langen Gesprächen und leisen Tönen, Aufmerksamkeit für persönliche Details und auch Mut, die Protagonistin mit Mutter Teresa-Syndrom nicht immer ganz perfekt und sympathisch zu zeigen. Was bei einer Catherine Keener als alter Ego der Regisseurin schwer fällt, ist sie doch couragiert, großherzig und will in ihrer manchmal übertrieben scheinenden Betroffenheit nur das Beste. In einer wunderbar entlarvenden Szene scheitert schon der Versuch einer ehrenamtlichen Arbeit im Ansatz, die schicke Manhattan-Lady kann den Anblick von Behinderung und Alter nicht ertragen. Gegen ihre Präsenz haben die Nebenfiguren kaum eine Chance. Unaufgeregt aber dennoch bissig-spitzzüngig und pointenreich, mit Witz und ein bisschen Moral verziert, zeichnet Holofcener den selbst gemachten Stress der Mittelschicht. Ein Platz im Leben...verzweifelt gesucht. Aber alles wird gut. mk. |
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