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BeitragVerfasst am: 02.03.2010, 20:50    Titel: Agora


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Beschreibung:
Alexandria, 391 n. Christi. Nicht nur für ihre Schönheit, sondern auch ihre Klugheit wird Hypatia bewundert, die Mathematik, Astronomie und Philosophie unterrichtet. Von zwei Männern, einem ehemaligen Sklaven und einem ehemaligen Schüler, wird sie geliebt, doch von anderen auch misstrauisch beobachtet. Für fundamentalistische Christen, die immer mehr Macht gewinnen, ist die Heidin eine Reizfigur. Für konservative Kräfte, die eine Frau mit Einfluss und Verstand nicht dulden, auch. Hypatias tragisches Ende ist damit vorgezeichnet.

Alejandro Amenábar stemmt ein ungewöhnliches Großprojekt, das zwischen Historiendrama und kulturgeschichtlichem Exkurs einer Frau der Spätantike ein Denkmal setzt.

Annähernd 50 Millionen Euro standen dem Regisseur von "Das Meer in mir" und "The Others" nach eigener Aussage zur Verfügung. Investiert wurden sie in einen faszinierend ambitionierten Zweistünder, der Action, Abenteuer und Lovestory, aber auch Fundamentalismuskritik und astronomisch-philosophische Erörterungen bietet.

Im Mittelpunkt steht Hypatia (Rachel Weisz), die im Alexandria des Jahres 391 n. Christi Mathematik, Astronomie und Philosophie unterrichtet. Eine historische Figur mit einer mythischen Reputation als kluge, frühfeministische Frau, die bewundert, aber auch von den politisch-religiösen Kräften ihrer Zeit grausam gerichtet wurde. Mit ihren Studenten diskutiert Hypatia das heliozentrische Bild vom Universum, hinterfragt, ob die Erde wirklich dessen von der Sonne umkreister Mittelpunkt sein kann. Bis zum Ende ihres Lebens versucht sie, die Umlaufbahnen der Erde und anderer Planeten wie auch die Stellung des Menschen in einem Zeitalter zu erklären, in dem Götteranbetung vom Christentum verdrängt wird. Wie gewaltsam das geschieht, zeigt der Sturm der berühmten Bibliothek von Alexandria durch einen christlichen Mob, eine groß angelegte Sequenz, in der Amenábar Erwartungen an Action und Spektakel erfüllt. Viele Jahre später sind einige der religiösen Rebellen zu organisierten radikalen Fundamentalisten mutiert, die brutal für moralische Ordnung sorgen und sich erbitterte Konfrontationen mit den Juden liefern.

Während sich die Konflikte mit den unterschiedlichen religiösen Gruppierungen ablösen, entwickelt das Drehbuch von Amenábar und Mateo Gil ein romantische Konstellation mit Hypatia als Sonne, die von zwei Männern umkreist wird. Der eine ihr ehemaliger Sklave, der andere ihr ehemaliger, zum römischen Präfekten aufgestiegener Schüler. Eine wenig überzeugende, nicht zwingend notwendige Lovestory, denn Hypatia liebt die Wissenschaft und ihre Freiheit mehr als jeden Mann. Wie sie durch Steinigung starb, ist überliefert. Über die Gründe spekuliert auch der Film, der multimotivisch andeutet, dass sie als Heidin den Christen, als frühe Feministin den Männern, als Frau mit politischem Einfluss einer Versöhnung zwischen dem Präfekten und dem Bischof von Alexandria im Wege stand.

Etwa 20 Minuten kürzer als die in Cannes gezeigte Fassung gelingt es "Agora" nicht immer, alle Ambitionen verlustfrei zu bündeln und emotional wirklich zu packen. Trotzdem ist es ein interessanter, couragierter, religionsübergreifend kritischer Film, auch wenn er die Brücke zum Islam nur im Kopf des Zuschauers schlägt. Ähnliche Grenzen lässt er sich visuell nicht setzen, zeigt die spätantike Metropole lebendig und aus allen Perspektiven - auch mit Maxi-Zooms aus dem Orbit, die die arrogante Selbstwahrnehmung des Menschen, nicht aber Hypatias Leitgedanken in Frage stellen, "dass uns mehr miteinander verbindet als trennt". Für den Film gilt das als Fazit auch. kob.
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